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Die Wissensentwicklung im Marktprozeß



Wissen im Marktprozeß - Spontaner Erkenntnisgewinn und unentdecktes Wissen

Als wir zuvor schon kurz auf den Begriff der radikalen Unwissenheit eingegangen sind, haben wir jedoch noch nichts darüber gesagt, welche Art des Wissens uns dabei interessiert.

Der Begriff „Wissen“ hat viele Bedeutungen und Definitionen. Wissen kann als Gut als solches betrachtet werden, das einen bestimmten objektiven Wert besitzt, beispielsweise wenn die Forschungsabteilung einer Firma ein neues Verfahren zur Herstellung oder ein Lösungsverfahren für ein spezielles Problem entdeckt. Andere Arten von Wissen sind z.B. taktisches Wissen oder Faktenwissen über gegebene Daten.

Ich habe bereits dargelegt, dass das Forschungsgebiet der Marktprozesstheoretiker nicht die rationale, sondern die radikale Unwissenheit ist. Weiterhin muss man dazu sagen, dass jedoch immer von Wissen, welches in Verbindung mit Handlungen steht, die Rede ist, d.h. Wissen, das die menschliche Entscheidungsfindung beeinflusst und somit auch die Handlungen der entsprechenden Individuen bestimmt. Uninteressant ist hierbei, ob dieses Wissen objektiv richtig ist. Nach Kirzners Definition umfasst der Wissensbegriff „...den wir benötigen,...nicht nur das Wissen im strikt philosophischen Sinne, sondern auch Überzeugungen, Erwartungen und sogar Spekulationen und Vermutungen, soweit die Handlungen von Menschen als konsequenter Ausdruck dieser Überzeugungen, Erwartungen und Spekulationen angesehen werden können“ (Kirzner 1988, S. 161).

Somit ist auch der Bezug zu den oben angeführten Grundannahmen der „Österreichischen Schule“ hergestellt, denn es steht vor allem der subjektivistische Aspekt der Betrachtung des Begriffes Wissen im Vordergrund. Wenn wir uns mit der Entwicklung des Wissens im Marktprozess beschäftigen, müssen wir jedoch auch das zweite Standbein der Marktprozesstheorie dabei berücksichtigen: Den methodologischen Individualismus. Das Wissen, und damit also auch die Handlungen, Erwartungen, Überzeugungen, Spekulationen und Vermutungen jedes Menschen sind individuell verschieden. Die Wissensentwicklung im Marktprozess muss dabei von den individuellen Wissensständen und dem individuell verschieden von statten gehenden Wissenserwerb der Akteure ausgehen und muss als Summe derer verstanden werden.

Das verstreute Wissen von unzähligen Akteuren wird also durch den Prozess des zu Markte gehen einerseits als Input genutzt, andererseits wird durch den Marktprozess selbst Wissen generiert. Die Frage die sich stellt, ist, welche Art von Wissen durch den Marktprozess hervorgebracht wird?

Die folgenden Punkte werden dabei von mir als zentral angesehen (vgl. Voigt 2000, S. 9):

•  Es ist nicht klar, für welche (bisher nicht existierenden) Dinge es eine Nachfrage auf Märkten geben könnte.

•  Wir wissen nicht, wer bestimmte Güter zum günstigsten Preis anbietet, wir kennen also nicht alle Anbieter .

•  Wir wissen weiterhin nichts über die Knappheit bestimmter Güter.

Erst der Marktprozess an sich ist es, der uns diese Informationen liefern kann. Durch zufällige Entdeckungen lernen wir beispielsweise, dass es für bestimmte Luxusprodukte genügend Abnehmer gibt oder erfahren durch Zufall von einem noch preiswerteren Anbieter eines bestimmten Produktes.

Es lassen sich aber keine allgemeinen „was-passiert-wenn“ Aussagen bezüglich der Entdeckung von Neuem und somit der Wissensentwicklung treffen. Wir müssen immer die Annahmen des Individualismus sowie des Subjektivismus im Auge behalten und können auf dieser Basis verschiedene Gruppen von Akteuren bilden, die zu einem bestimmten Grade Intragruppenhomogänität aufweisen.

Der umgekehrte Fall gilt natürlich auch: Als Anbieter ist man in Unkenntnis darüber, ob es überhaupt zahlungskräftige Abnehmer für bestimmte Güter gibt und wer diese sind.

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