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Die Wissensentwicklung im Marktprozeß



Wissen im Marktprozeß - Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren

Friedrich August Hayek erkannte bereits in den dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, dass, anders als in der neoklassischen Wirtschaftstheorie, der Wettbewerb immer zur Entdeckung von Wissen führt, von dem wir bis jetzt noch keine Ahnung haben und über welches wir nicht verfügen. Er geht also nicht davon aus, dass allen Marktakteuren gleiche und vollständige Informationen über die Zustände der Welt bekannt sind, sondern fragt sich statt dessen, wie die Marktteilnehmer die Informationen und das Wissen über Güter, Anbieter oder Kaufalternativen erhalten. Seine Antwort lautet: Durch den Wettbewerb selbst. Dieser ist demnach ein Prozess zum Erwerb und zur Mitteilung von Wissen unter Marktakteuren (vgl. Voigt 2000, S. 8)

Hayek nahm weiter an, dass der Marktprozess sich in Richtung eines Gleichgewichtes bewege und dass ferner bei vollkommener Information dieser Gleichgewichtszustand eintrete (vgl. Kirzner 1988, S. 25 f.). Kirzner umschreibt Hayeks Standpunkt folgendermaßen. Er nimmt an, dass die „..Tendenz zum Gleichgewicht...mehr bedeuten (muß) als nur eine besondere konvergierende Struktur von Preis- und Mengenanpassung im Zeitverlauf“ (Kirzner 1988, S. 32) und verweist darauf, dass es sich vielmehr um einen systematischen Prozess handelt, bei dem fehlerhafte Pläne von Marktteilnehmern, welche auf der falschen Einschätzung von anderen Plänen anderer Akteure beruhten, korrigiert werden (vgl. Kirzner 1988, S.32).

Er kritisierte, dass der Prozess an sich aber von der orthodoxen Gleichgewichtsanalyse nicht thematisiert wurde. Kirzner stellt die Frage, wieviel und welches Wissen die Marktteilnehmer besitzen müssen, damit man von einem Gleichgewichtszustand sprechen kann und wie das in der Gesellschaft verstreute Wissen übermittelt und nutzbar gemacht werden kann (vgl. Voigt 2000, S. 5f.). Wenn man Hayeks Gedanken folgt, lautet die Antwort darauf: Der Wettbewerb an sich nutzt das Wissen der Marktakteure und vermittelt es in Form von Preisen weiter. Voigt interpretiert Hayeks Standpunkt wie folgt: „Das ideosynkratische Wissen der Akteure geht in den Marktprozess ein und bewirkt dort Preisrelationen und letzten Endes Handlungen, die den jeweils gültigen Preisrelationen und damit den aktuellen Verhältnissen adäquat sind. In den Wettbewerbsprozess gehen Wissensbestandteile von Millionen von Akteuren ein, durch ihre Interaktionen wird codiertes Wissen in Form von Preissignalen hervorgebracht, das von den Akteuren wiederum genutzt wird, um sich den gerade gültigen Knappheitsverhältnissen mit ihren Handlungen anzupassen“ (Voigt 2000, S. 8).

Preise sind also nach Hayek vor allem Übermittler von Mengeninformationen, also der Veränderung von Knappheiten und „...sagen, ...was wir leisten sollen.“ (Hayek 1996, S.127).

Die Gründe für Preisänderungen werden dagegen weniger thematisiert. „Preise sind Signale, die solch eine Suche steuern. Die Ursachen für diese Signale sind unbekannt“ (Brodbeck 2001, S. 5).

Für Hayek scheint lediglich der Aspekt der Wissensvermittlung durch Preisänderungen an sich, die durch Transaktionen mehrerer Personen am Markt zustande kommen, interessant. Das System der Preise ist damit die einzige universelle Möglichkeit, Gütern interpretierbare Werte zuzuordnen und die Veränderung von Knappheiten anzuzeigen. Das die Gründe der Preisänderung aber nicht hinreichend thematisiert werden, stellt ein Problem dar, denn die Unkenntnis dieser Gründe bei den Marktakteuren führt in gewisser Weise zu einer Entwertung von Wissen in dem Sinne, dass ein Akteur nun nicht mehr genau weiß, wie er handeln soll.

Doch was genau soll nun der Wettbewerb entdecken? Nach Hayeks Ansicht kann man die Ergebnisse des Wettbewerbs nicht voraussagen, da man die Tatsachen, die der Wettbewerb hervorbringen soll, nicht schon im Vorfeld kennen kann (vgl. Schmidtchen/ Kirstein 2001, S. 2). Dies gilt jedoch nur für Einzelaussagen, Mustervoraussagen sind nach Schmidtchen/ Kirstein denkbar: „Zwar spricht einiges für die Richtigkeit der oben dargestellten methodologischen Implikation, daß die Gültigkeit der Theorie des Wettbewerbs als Entdeckungsverfahren nicht nachgeprüft werden kann. Dies gilt jedoch nur, wenn die aus der Theorie abgeleiteten Aussagen als Einzelvoraussagen und nicht als Mustervoraussagen formuliert werden“ (Schmidtchen/ Kirstein 2001, S. 4).

Mit Hilfe eines „double oral auction“ – Experiments wiesen sie die Hayekschen Annahmen über den Wettbewerb als Entdeckungsverfahren nach und zeigten, „...daß und wie Wettbewerb das Marktgleichgewicht entdeckt und die wohlfahrtsmaximierenden Transaktionen zustande bringt“ (Schmidtchen/ Kirstein 2001, S. 19).
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