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Die Wissensentwicklung im Marktprozeß



Korrektur von Wissen

Bei der Entwicklung des Wissens im Marktprozess haben wir es mit einer Reihe von Veränderungen des Wissensstandes der einzelnen Marktakteure zu tun. Dabei entsteht jede Änderung des Wissensstandes aus einem vorangegangenen Irrtum, der aus der zwingenden Unvollständigkeit des Wissenstandes resultiert. Die Frage, die sich nun stellt, ist die nach dem Umfang der Veränderung des Wissensstandes. Diese Frage kann man, auf individueller Ebene, mit dem Grad des vorangegangenen Irrtums in der Entscheidung und der subjektiven Wichtigkeit der daraus entstehenden Folgen beantworten (5). Wir können vereinfacht zwei Fälle unterscheiden:

•  Der Irrtum ist nur minimal und die daraus resultierende Wissensänderung ist nicht grundlegend, nur graduell.

•  Der Irrtum ist von großer Bedeutung und die daraus resultierende Änderung des Wissensstandes ist groß.

Da unser menschliches Wissen als eine Art von Glaubens- oder Erfahrungssätzen gesehen werden kann, führt auch jeder Irrtum zu einer gewissen Änderung dieser Glaubenssätze. Je mehr man erkennt, dass man eine Entscheidung falsch getroffen hat, z.B. bei der Einschätzung von Preisen, und je größer und schwerwiegender dieser Irrtum subjektiv war, desto größer wird auch die Auswirkung auf den Wissensstand sein. Wenn eine Entscheidung am Markt als besonders groß angesehen wird, führt das unter Umständen zu einer völligen Umgestaltung der persönlichen „Glaubenssätze“, also zu einer grundlegenden Revision von Plänen.

Demgegenüber werden „kleine“ Irrtümer sich nur wenig auf den Wissensstand auswirken und die zukünftigen Dispositionen entsprechend wenig beeinflussen.

Wir sehen also, dass die Veränderung von Wissen, resultierend aus Erfahrungen, wesentlich mit dem subjektiven Empfinden eines Irrtums verbunden ist. Diese Veränderung von Wissen wirkt sich auf die Erwartungen und somit wiederum auf das zukünftige Wissen aus. Erwartungen sind dabei „...das kumulative Ergebnis einer ganzen Reihe von früheren Erwartungen, die im Lichte späterer Erfahrungen revidiert wurden, wobei diese in der Vergangenheit liegenden Revisionen die Hauptquelle dessen sind, was wir jeweils an gegenwärtigem Wissen haben“, beschreibt Lachmann (1984, S. 94) diesen Zusammenhang und geht dabei auf den kontinuierlichen Prozess der Erwartungsbildung und Wissensänderung als solches ein.

Kirzner interpretiert das Thema Irrtum in der Marktprozesstheorie noch etwas differenzierter. Er spricht von einem echten Irrtum nur dann, wenn dieser aus einem „...unerklärlichen Versagen...“ resultiert, „...offensichtliche Tatsachen wahrzunehmen“ (Kirzner 1988, S. 151), also nicht, wenn man aus purer Unkenntnis handelt. Nach Kirzner sind Fehler, die aus (radikaler) Unwissenheit resultieren, keine Irrtümer im marktprozesstheoretischen Sinne. Es ist ein Unterschied, ob jemand einfach keine Informationen und kein Wissen hat, mit dem er besser entscheiden könnte, oder ob ihm einfach die Findigkeit fehlt, ein bestimmtes Wissen zu entdecken. Wenn jemand also innerhalb seines Ziel-Mittel-Rahmens optimal handelt, dann, so Kirzner, kann er sich aus seiner Perspektive auch nicht irren. Nimmt er jedoch eine für ihn vorhandene Informationsquelle nicht wahr, d.h. die notwendige Information für eine bessere Entscheidung ist eigentlich vorhanden, er sich der Gelegenheit aber nicht bewusst war, so liegt ein Irrtum seinerseits vor.

Kirzner stellt hier noch einmal die Wichtigkeit des Unternehmertums heraus, indem er den Begriff der Findigkeit in die Diskussion einbezieht. Je findiger ein Akteur am Markt ist, so die Schlussfolgerung aus Kirzners Ausführungen, desto weniger wird er sich irren. Wie und im welchen Maße diese Findigkeit gefördert und beeinflusst werden kann, wird uns an späterer Stelle noch interessieren.

(5)Voraussetzung für die Veränderung des Wissensstandes ist natürlich das Erkennen des Irrtums.

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