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Die Wissensentwicklung im Marktprozeß



Ergebnisse der marktlichen Interaktion - Mögliche Ergebnisse aus Sicht des Käufers

Aus der Käufersicht kann der Marktprozess folgende mögliche Ergebnisse hervorbringen (vgl. Rese 2000, S. 74):

•  Der Käufer hat objektiv zuwenig geboten und die Transaktion kam nicht zustande.

•  Der Käufer hat objektiv nicht zu viel gezahlt, die Transaktion kam zustande.

•  Der Käufer hat objektiv zu viel gezahlt, die Transaktion kam zustande.

Diese Marktergebnisse lassen nun wiederum Rückschlüsse auf den Wissensstand vor, bzw. die Veränderung des Wissensstandes des Marktakteurs nach der Transaktion und der damit zusammenhängenden Interaktion mit der Umwelt zu. Das ist der wesentliche Punkt bei der Betrachtung des Marktprozesses: „Der Erwerb von Marktwissen im Wege der Erfahrungen, die durch Beteiligung am Marktprozeß gemacht werden, ist für das oben dargestellte Konzept des Marktprozesses wesentlich“ (Kirzner 1978, S. 11).

Betrachten wir nun die Ergebnisse aus Käufersicht. Im ersten Fall ist es offensichtlich so, dass die Transaktion nicht zustande kam, weil der Käufer nicht erkannt hatte, dass er dem Verkäufer zu wenig bietet. Sein Wissensstand bezüglich des angemessenen Preises war zu gering und seine Findigkeit reichte nicht aus, um zu erkennen, dass er hätte andere potentielle Käufer überbieten müssen. Es reichte seine Findigkeit nicht aus, um andere Anbieter aufzuspüren, die bereit wären, zu seinen Vorstellungen die Transaktion durchzuführen.

Dank des unternehmerischen Elements des menschlichen Handelns, wie es die „Österreichische Schule“ beschreibt, führt sein Misserfolg bei der Durchführung der Transaktion (= Ergebnis des Marktprozesses) nun dazu, das der Akteur neue Informationen erhält und daraus lernt. Er sammelt somit Erfahrungen, die seinen Wissensstand in dem Maße beeinflussen und verändern, als das er erkennt, dass er das nächste Mal einen höheren Preis bieten muss, um bei der Durchführung der Transaktion erfolgreich zu sein.

In dem zweiten Fall hat der Käufer die Transaktion durchgeführt und innerhalb seines Ziel-Mittel-Alternativen-Rahmens weder zu viel gezahlt, noch zu wenig geboten. Es ist jedoch trotzdem möglich, dass im Ergebnis eine Wissensmehrung oder Wissensentwertung steht. Denkbar wäre beispielsweise, dass neue Anbieter auf den Markt kommen, über deren Angebote der Käufer jedoch noch nichts weiß. In dem Moment entwickelt sich sein (marktrelevantes) Wissen dahingehend, dass es zu einer Wissensentwertung kommt, denn der Käufer hat dann nicht mehr das Wissen über den Markt, um im Sinne eines neoklassischen Ökonomisierers korrekt zu handeln.

Im dritten möglichen Ergebnis treten wieder die von Kirzner (vgl. 1978, S.11) beschriebenen Koordinationslücken auf. Der Käufer hat die Transaktion durchgeführt, hat aber einen höheren Preis gezahlt als bei einem anderen Anbieter des gleichen Produktes. Der Käufer hatte also nicht das relevante Wissen, um alle Angebote zu kennen und somit im Sinne eines homo oeconomicus korrekt zu handeln. Im Ergebnis des Marktprozesses wird ihm nun bewusst, dass er hätte preiswerter kaufen können, weil er von anderen Marktteilnehmern und deren Transaktionen erfährt oder von anderen Anbietern über deren Preise informiert wird. Diese neuen Erfahrungen und Erkenntnisse verändern nun wieder seinen Wissensstand in Bezug auf den Markt.
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