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Die Wissensentwicklung im Marktprozeß



Erfahrung, Information und Wissen im Marktprozeß

Wie wir bereits gesehen haben, führt der Marktprozess im Ergebnis menschlicher Interaktionen dazu, dass Erfahrungen gemacht werden. Erfahrungen, die die eigenen Erwartungen bestätigen oder diese als verfehlt zeigen. Im Ergebnis des Marktprozesses werden demnach immer Informationen gestreut, die wiederum von den Akteuren verarbeitet werden und sich auf deren Wissen und neuerliche Erwartungen auswirken (vgl. Lachmann 1984, S. 94). Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen und ist – nach den Grundannahmen der Marktprozesstheorie – zwingend subjektiv. Es lassen sich die folgenden drei Arten unterscheiden, wie Information zu Wissen verarbeitet wird (vgl. Kraak 1991, S. 41):

•  Informationen bewirken die Veränderung von vorhandenem Wissen in dem Maße, dass es zu einer Erhöhung bzw. Absenkung des Vertrauens in dieses vorhandene Wissen kommt. Informationen wirken entwertend oder aufwertend in Bezug auf die Qualität des vorhandenen Wissens.

•  Neue Informationen werden zur Ergänzung von vorhandenem Wissen, bzw. zur Vervollständigung oder zur Differenzierung desselbigen, verwendet. Die Bedeutung ändert sich in diesem Falle nicht.

•  Informationen können die Bedeutung bestehenden Wissens ändern, d.h. die Informationen „...werden verwendet zur Veränderung von Wissen im Sinne von Wissensrevision“ (Kraak 1991, S. 41).

Zu diesen drei Punkten ist es nötig, noch einige Anmerkungen zu machen. Zuerst sollte herausgestellt werden, dass diese drei Wege, auf denen Informationen zu Wissen verarbeitet werden, nicht isoliert und jeder für sich betrachtet werden kann. Vielmehr ist es so, dass die verschiedenen Arten sich gegenseitig überlagern können oder wiederholend auftreten können (vgl. Kraak 1991, S. 42). Es ist offensichtlich, dass neue Informationen nicht entweder nur das vorhandene Wissen entwerten oder es erweitern können. Diese beiden Komponenten treten meist gemeinsam, d.h. parallel zueinander auf, und es ist individuell sehr unterschiedlich, welche Tendenz nun überwiegt. Das hängt im Wesentlichen von dem Ergebnis des Marktprozesses und dem subjektiven Ziel-Mittel-Rahmen in der Vorperiode ab und, als Konsequenz daraus, in wie fern die Erwartungen des Marktteilnehmers bestätigt, übertroffen oder enttäuscht worden sind.

Diese „Kalkülkomponente des menschlichen Handelns“ (Lingen 1993, S. 215), also die Entscheidungen des Individuums, basierend auf vorhandenem, unvollständigem Wissen, welches wiederum auf den Ergebnissen des Marktprozesses aus der Vorperiode beruht, steht bei den meisten Vertretern der Marktprozesstheorie nicht unbedingt im Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Dennoch ist es, wenn man der streng individualistischen und subjektivistischen Argumentationslinie folgen will, wichtig, den Prozess der Informationsverarbeitung mit einzubeziehen, wenn man Prozesse wie die Diffusion von Wissen im Verlaufe des Marktprozesses erklären will.
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