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Die Wissensentwicklung im Marktprozeß



Komponenten der Wissensentwicklung - Die Entscheidungssituation des Akteurs

Wie wir bereits in den vorherigen Kapiteln gesehen haben, ist das was wir als Marktprozess bezeichnen, eine Verkettung von interaktiven Handlungen verschiedener Menschen oder Organisationen. Diese Handlungen bedingen und beeinflussen sich gegenseitig und führen zur Änderung von Wissensständen und den darauf basierenden Entscheidungen der Individuen. Diese Entscheidungen, die wiederum zu Handlungen führen, wirken wechselseitig aufeinander ein und sind bedingt durch das Wissen und Lernen der verschiedenen Akteure im Marktprozess. Es existiert somit ein Kreislauf von Entscheidung (welche auf Zielen beruht) und Interaktion mit der Umwelt einerseits sowie Erfahrung, Veränderung von Wissen und daraus wiederum neuerliche Pläne und Ziele andererseits, die dann neue Entscheidungen nach sich ziehen.

Die nachfolgende Grafik stellt den Zusammenhang zwischen Marktprozess und Wissensentwicklung dar:


Abbildung 1: Wissenszuwachs und Wissensentwertung als die treibenden Kräfte im Marktprozess (in Anlehnung an Rese 2000, S. 71)

 

Ausgangspunkt ist der Akteur am Markt, den wir nach v. Mises (vgl. Kapitel 2.2.3) als einen mit dem anlagebedingten Willen zur Gestaltung seiner Umwelt ausgestatteten Menschen charakterisiert haben, dessen individuelle Ausstattung mit Wissen seine subjektiven Erwartungen beeinflusst.

Diese Erwartungen bestimmen seine Ziele und Pläne und begründen seine Entscheidungen bezüglich der Handlungen am Markt. Seine Entscheidung in bestimmter Weise zu handeln, d.h. ein bestimmtes Angebot eines Anbieters anzunehmen, oder – aus Sicht des Verkäufers – ein bestimmtes Produkt zu einem gewissen Preis und mit weiteren bestimmten Eigenschaften anzubieten, also Transaktionen vorzunehmen, führt zu Interaktionen mit anderen Teilnehmern des Marktes, also mit der Umwelt. Die anderen Marktteilnehmer reagieren wiederum auf die Entscheidungen des Akteurs, indem sie sein Angebot annehmen oder ablehnen. Von Lingen beschreibt den Marktprozess als „...das Zusammentreffen der Entscheidungen von Wirtschaftseinheiten und – für den (Regel-) Fall der subjektiven Enttäuschung/Überraschung (negative/positive Komponente) ex post – die Einflußgrößen auf deren (evolutorische) Änderung, im Kern die Art der Erwartungsbildung über die Zeit, beeinflußt durch die subjektiven Ziele einerseits, subjektives Wissen und Lernen über die Anzahl und den Möglichkeitsraum endogener und exogener Marktparameter andererseits“ (Lingen 1993, S. 169f.).

Nicht nur dadurch, dass ein Käufer einen Verkäufer wählt oder nicht wählt, werden somit Informationen vermittelt. Vielmehr können die Ergebnisse aller Entscheidungen der Umwelt zu Wissensveränderungen bei Marktteilnehmern führen. Aufgrund der Ergebnisse von Transaktionen und Interaktionen sammeln die Akteure Erfahrungen und ziehen individuelle Lehren aus dem Verhalten von anderen, welche dann zu einem Zuwachs an Wissen bzw. einer Verminderung des Wissensstandes führen können. Lachmann (1984, S. 94) stellt diesbezüglich noch einmal heraus, dass „...nicht jede einzelne Erwartung für sich (steht), sondern..das kumulative Ergebnis einer ganzen Reihe von früheren Erwartungen...“ ist. Denkbar sind nun verschiedene, unterschiedliche Ergebnisse in Bezug auf das Zustandekommen einer Transaktion am Markt, welche nachfolgend kurz erläutert werden sollen.

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